Mein wohl kreativster Schüler, Christoph Ebbert, erhielt sein erstes Patent - ein neuartiges Liniergerät - bereits im Alter von ganzen 12 Jahren. Hier erklärt er gerade der Fernsehmoderatorin Gesine Heß vom HR seine neueste Erfindung, eine Mehrgelenk-Rahmenachse. Er war aber auch ein sehr zerstreuter Schüler, der im Unterricht ständig geistesabwesend die Heftränder mit irgendwelchen Ideenskizzen vollkritzelte. Beste Voraussetzungen demnach, um später mal ein erfolgreicher Design-Professor in England, Neuseeland, Frankreich, China und Indien zu werden...
Seine Zerstreutheit zeigte sich nicht zuletzt bei einem Besuch der Fernsehmoderatorin Gesinde Heß am MGF (02.1987), als er von dieser gefragt wurde, ob er sich schon mal etwas ganz fest gewünscht hat - was dann auch Wirklichkeit geworden ist. Frau Heß erwartete nämlich, dass Christoph dann sofort auf seine Erfindertätigkeit zu sprechen kommt...
Unser wieder mal total zerstreuter Ebbi meinte jedoch: "Da muss ich doch glatt mal scharf nachdenken..! Ach ja, da fällt mir eine Geschichte ein: Wir sind da mal nach Paris gefahren, die ganze Family, und zwar mit dem brandneuen 500er Mercedes von meinem Opi. Leihweise natürlich nur! Ein supertolles Gefährt übrigens!! Aber auf der ganzen Fahrt durch Frankreich hat meine Schwester immer die gleiche Kassette spielen lassen... Ich konnt´ das Ding schon nicht mehr hörn! Und da bin ich dann abends im Bett gelegen und habe gebetet: "Lieber Gott mach, dass ich mir morgen dieses doofe Ding nicht mehr anhören muss..!!"
In diesem Moment muss sich Frau Heß bereits auf die Lippen beissen, um nicht lauthals loszulachen und blickt mich völlig entgeistert an... "Na, und wie ist die ganze Geschichte dann ausgegangen..? Hat dich der liebe Gott dann wenigstens erhört..?"
"Ja, stellen sie sich vor: In dieser Nacht haben sie uns nämlich den 500er geklaut!"
Frau Heß brauchte nun doch mehrere Tempo-Taschentücher, um sich ihre Lachtränen abzutrocknen...
Gerne erinnere ich mich insbesondere an die Skilager zurück, wobei ich nicht nur das Skifahren pfundig fand, zumal ich immer die beste Gruppe übernehmen durfte, es gab auch immer viel zu lachen: So war mal in unserem Ausweichquartier in Viehhofen mein Kollege Sepp gezwungen, sein Fenster ständig gekippt zu halten: "Der da vor mir in dera Bude g´haust hat, muass a gscheider Saubär g´wen sei..! Da drin stinkt´s - unglaublich..!!"
Auch die Putzfrauen beschwerten sich deswegen schon mal beim Wirt.
Bis dann am vorletzten Abend der von mir an der Glühbirnenfassung seiner Zimmerlampe befestigte Limburger-Käse so weit geschmolzen war, dass er auf eine gerade in Korrektur befindliche Deutsch-Schulaufgabe runterplatschte...
Von derartigen Streichen blieb auch mal ein zur Samstagabendmesse aus Fürstenzell angereister Maristenpater nicht verschont...
Ich schnappte mir nämlich nach der Hl. Messe seine draußen am Fensterbrett abgestellte Messweinflasche, tauschte den Inhalt in der Küche aus gegen ein Essig-Maggi-Wassergemisch und gab den Kollegen Instruktionen bezüglich des geplanten Streichs. Somit taten wir dann alle nach dem Zubettgehen der Schüler beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem Anstoßen nur so, als ob wir trinken würden, um anschließend die "vorzügliche Qualität" seines "Messweins" in höchsten Tönen zu loben, v.a. dessen "angenehme Konsistenz und expressive Intensität, das blumige Aroma, seine fruchtige Textur, die balacierte Harmonie und den lang anhaltenden Abgang."
Unser Pater dagegen schien wegen des urplötzlich aufgetretenen kompletten Verlusts seiner Geschmacksnerven schier zu verzweifeln: "Ach, ich muss sagen, bei der Messe hat mir der aber noch wesentlich besser geschmeckt..!"
Er beteiligte sich dann auch nicht mehr an unseren Gespächen, sondern probierte immer wieder von Neuem, das Zeugs von einem Mundwinkel in den anderen schiebend und wie ein Sommelier mit der Zunge schnalzend, um dann nach jedem Runterschlucken aufs Heftigste abgeschüttelt zu werden wie ein nasser Pudel...
Die Kollegen spielten auch hervorragend mit und ließen sich überhaupt nichts anmerken. Lediglich Helga hatte sich nicht ganz im Griff und wummerte dauernd vor sich hin, wobei sie vor unterdrücktem Lachen nur so geschüttelt wurde wie ein Vorkriegs-Lanz-Bulldog im Leerlauf, weshalb ich sie - um mehr Contenance anzumahnen - mehrfach gegen ihre Schienbeine treten musste.
Aufgeflogen sind wir schließlich, als sich Sepp beim simulierten Prost-Trinken plötzlich nicht mehr unter Kontrolle hatte und derart in sein Glas prustete, dass wir alle nass wurden...
Meister im Aushecken von pfiffigen Streichen war jedoch immer unser Günter. So schmuggelte er mal kurz vor der Heimfahrt nach Fürstenzell einen BH, den er sich von unserer Wirtin Liesi erbettelt hatte, in den Koffer von unserem Sepp... Leider haben wir nie erfahren, wie dessen Gattin reagierte, als sie dann beim Auspacken seines Koffers dieses Corpus Delicti entdeckte...
Solche Lausbubenstreiche à la Feuerzangenbowle waren nur ein Grund unter vielen, weshalb ich es nie bereut habe, anno dazumal eine vom KuMi angebotende Staatsstelle mit Beamtenstatus und höherem Salär sowie eine von einer norddeutschen Kunsthochschule offerierte Professur dankend abgelehnt zu haben, zumal ein derart tolles Arbeitsklima wie am MGF, wo viele Kollegen einfach pfundige Spezln waren, einmalig und quasi unbezahlbar war. Nicht umsonst wurde damals auch unser treffender Schulslogan kreiert:
"Maristengymnasium Fürstenzell - einfach anders!"