Bayerischer Kulturpreis

 

 

1993 wurde ich gemeinsam mit meiner Schule für die Förderung der problemlösungsorientierten Kreativität meiner Schüler mit dem "Bayerischen Kulturpreis" ausgezeichnet.

 

 

 

 

 

"Kreativität ist ein Lebensprinzip, ist ein Gesetz der Natur. Es gibt keine Entwicklung ohne Kreativität.

 

Auch die menschliche Gesellschaft bedarf der Kreativität, bedarf der Fähigkeit, sich immer wieder neuen Problemen zu stellen, neuen Aufgaben gerecht zu werden, Neues zu denken, in die Zukunft hineinzudenken, eben spielerisch auszuprobieren, wie man mit neuen Konstellationen, neuen Aufgaben fertig wird.

 

Wir stehen heute in unserer industriellen Massengesellschaft vor einem Berg von Problemen. Unsere Bildungsplaner, wenn sie verantwortlich denken, müssen sich darauf einstellen, dass es gilt, Menschen heranzubilden, die in der Lage sind, mit Problemen fertig zu werden, die in der Lage sind, kreativ sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Das verlangt andere Fähigkeiten, als nur in den gewohnten Schemata zu denken.

Viele Wissenschaftler, wie z.B. der Nobelpreisträger Gerd Binnig, fordern deshalb, dass gerade heute künstlerische Bildung in einem besonderen Maße gefördert werden soll."

 

(Statement von Prof. Hans Daucher von der Universität München in einem Fernsehbericht des BR anlässlich der Verleihung des "Bayerischen Kulturpreises 1993")

 

 

 

... "Die Schüler sollen Eigenschaften wie Sensibilität, Spontanität, Phantasie und Ideenreichtum erwerben. Sie sollen erspüren, was Intuition ist, indem sie ausprobieren, sich über die Gefühlsebene an eine Problemlösung heranzutasten...

 

Spielerisches Tun ist ein Urquell jeglicher schöpferischer Tätigkeit. Spielen und Erfinden kann man nicht voneinander trennen...

 

Der wichtigste Treibstoff für Kreativität ist die Neugier...

 

In erster Linie sind es pädagogische, gesellschaftspolitische und volkswirtschaftliche Gründe, die mir bei der Förderung der schöpferischen Kreativität wichtig sind. Dazu zählt vor allem die Ausbildung der Kritikfähigkeit bzw. die Entwicklung des Problembewusstseins. Grundvoraussetzung für jede Form von innovativer Fähigkeit ist es nämlich, Fehler, Missstände und Probleme als solche überhaupt erkennen zu können...

 

Ganz wichtig dabei ist, dass die Schüler auch erfahren, wie es ist, mit einem Partner zusammenzuarbeiten...

 

Wir müssen uns heute mit einer Vielzahl von Problemen auseinandersetzen, die letztlich darauf zurückzuführen sind, dass bislang jedes Fach ausschließlich in den ihm eigenen Kategorien gedacht hat, ohne Rücksicht zu nehmen, ob dabei nicht auch einem anderen Gebiet Schaden zugefügt wird.

Aufgabe der Zukunft muss es deshalb sein, die Schüler anzuleiten, fächerübergreifend, vernetzt zu denken und ihnen mit der Förderung der kreativen Anlagen das Rüstzeug an die Hand zu geben, mit den dringend anstehenden Problemen auf den Sektoren Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft fertig zu werden.

 

Ich halte deshalb gerade mein Fach Kunsterziehung, das auf Grund seiner vielfältigen Aspekte ohnedies schon längst "Kreativität" heißen müsste, für eines der wichtigsten im Fächerkanon." ...

 

(Auszug aus einem Statement von mir in dem besagten Fernsehbericht des BR anlässlich der Verleihung des "Bayerischen Kulturpreises 1993")

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... "Die ersten Preisträger waren Berühmtheiten wie Leonard Bernstein, Astrid Lindgren, Michael Ende. Diesmal werden bewußt Preisträger geehrt, die eher Insidern bekannt sind. Und diesmal gilt der Kulturpreis nicht herausragenden Persönlichkeiten aus den Gefilden der schönen Künste, sondern beispielgebenden Förderern von technisch-ökonomischer Kreativität. Schöne Künste und Ingenieur-Künste dürfen in unserer Gesellschaft nicht mehr als Gegensatz gelten, sie beflügeln einander, sind Ergebnisse der Kreativität des Menschen.

 

Wir erleben derzeit eine Kreativitätskrise unserer Volkswirtschaft. Nur mit der Optimierung alter Leistungen kommen wir nicht weiter. Wollen wir die teilweise dramatischen wirtschaftlichen Probleme unserer Tage meistern, so tun not neuer schöpferischer Geist, neue grundlegende Ideen, Schübe von Kreativität." ...

 

Das Förder- und Unterrichtsmodell des Maristengymnasiums Fürstenzell steht in unserer Bildungslandschaft wie ein Leuchtturm für Kreativität.

Es sollte an Bayerns Schulen Schule machen." ...

 

(Auszug aus der Laudatio von Dr. Willibald Folz, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, anlässlich der Verleihung des "Bayerischen Kulturpreises 1993".

Quellenangabe gem. § 63 UrhG: Genossenschaftsverband Bayern)

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Auszug aus meiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des "Bayerischen Kulturpreises 1993":

 

"... Auch in Zukunft möchten wir weiterarbeiten an einer Schule, die ich wie folgt skizzieren möchte:

 

  • Eine Schule, die dem Schüler wirklich das Gefühl vermittelt, auch für das Leben zu lernen,

 

  • eine Schule, die dem in den Präambeln der Schulordnung niedergelegten Auftrag zur Entwicklung der Persönlichkeit mehr Bedeutung beimisst,

 

  • eine Schule, die dem Schüler nicht ständig unterschwellig die Botschaft vermittelt: "Die Welt ist bereits erklärt, wir haben das Wissen parat und deine Aufgabe ist es, es dir beibringen zu lassen", sondern eine Schule, die mit Werkstätten, Experimentallabors und engagierten und motivierten Lehrern Anreize zu eigenentdeckendem Erforschen und Erproben schafft,

 

  • eine Schule, in der nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten angesprochen werden, sondern in der Wert auf eine ganzheitliche Bildung gelegt wird, bei der Kopf, Herz und Hand gleichermaßen ausgebildet werden,

 

  • eine Schule. in der der Schüler nicht zum Einzelkämpfer, sondern zu einem team- und kooperationsfähigen Menschen erzogen wird,

 

  • eine Schule, in der sich Lernprozesse primär im Miteinander und gegenseitigen Austausch, statt in isolierter Wissensaneignung vollziehen,

 

  • eine Schule, in der sich die Rolle des Lehrers nicht auf reine Wissensvermittlung mit Ordnungs- und Aufsichtsfunktion beschränkt, sondern in der er als Ansprechpartner und Orientierungshilfe, sozusagen als "Coach" zu verstehen ist,

 

  • eine Schule, die projektorientiertes Arbeiten ermöglicht, bei dem unterschiedlichste Inhalte und Standpunkte gefordert sind und soweit wie möglich Querverbindungen zwischen einzelnen Fächern geschaffen werden,

 

  • eine Schule, in der Lernsituationen möglich sind, in denen Fehler nicht bestraft werden, sondern integraler Bestandteil des Lernprozesses selbst sind,

 

  • eine Schule, die statt Überfrachtung mit zusammenhanglosem Detailwissen eine Schwerpunktbildung und Vertiefung in individuellen Interessensbereichen zulässt

 

  • und eine Schule, in der Sensibilität, Intuition, Kritikfähigkeit, Flexibilität, Phantasie, divergentes Denken und Kreativität keine Fremdwörter sind..."

 

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Nachfolgend noch ein Interview des Verbands der Volksbanken und Raiffeisenbanken mit Prof.Dr. Erich Häußer, Präsident des Deutschen Patentamtes, anlässlich der Verleihung des "Bayerischen Kuturpreises 1993". Dieses findet sich auch in der oben abgebildeten Festschrift.

 

"Wie schätzen Sie die Bedeutung der Erfindergruppe des Maristengymnasiums ein?"

 

Professor Häußer: "Ich finde die Arbeit, die dort geleistet wird, phantastisch. Ich bewundere Herrn Fenzl und versuche, ihn zu unterstützen, wo ich kann. Leider aber handelt es sich bei dieser Erfindergruppe um eine vereinzelte Erscheinung, die an der Initiative eines einzigen Mannes hängt."

 

"Sollte und könnte diese Initiative nicht auch auf andere Schulen ausgeweitet werden?"

 

Professor Häußer: "Es wäre erstrebenswert, wenn so viele Lehrer wie möglich das Beispiel Fürstenzell nachahmen würden. Aber Lehrer haben ein bestimmtes Stunden- und Lehrstoffkontingent zu erfüllen, da bleibt für solche Dinge wie die erfinderische Kreativität leider kaum etwas übrig."

 

"In anderen Ländern ist das ganz anders, nicht wahr?"

 

Professor Häußer: "Ja, zum Beispiel in den USA und Japan. Da tun Staat und Industrie eine Menge, um Erfindergeist zu wecken. Wir brauchen uns nicht wundern, wenn uns die Japaner auf technischem Gebiet weit voraus sind. In Japan werden die Menschen von der Wiege bis zur Bahre gefördert, Erfindungen zu machen. In der Bundesrepublik dagegen stelle ich eine nahezu bestürzende Gleichgültigkeit gegenüber erfinderischer Kreativität fest. Im Erfinden von Bedenken gegen Erfindungen allerdings sind die Deutschen Weltmeister."

 

(Quellenangabe gem. § 63 UrhG: Festschrift des Genossenschaftsverbandes Bayern "Bayerischer Kulturpreis 1993", Abdruck gen.)

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© Hubert Fenzl