Mein kreativster Schüler

Prof. Christoph Ebbert ist heute - nach einer langjährigen Dozententätigkeit auf dem Sektor Industriedesign - an der Universität von Östersund als staatlicher Innovationsberater der schwedischen Regierung tätig, mit der offiziellen Aufgabe, Kreative zu unterstützen. Wobei er - ob seiner internationalen Klientel - an manchen Tagen vier Sprachen anwendet.

Er war von all den aberhundert Schülern, die ich während meines Lehrerdaseins unterrichtet habe, der kreativste und künstlerisch begabteste. So konnte ich ihm bereits im Alter von 12 Jahren nichts mehr beibringen, was Zeichentechniken betrifft. Auch gelang ihm schon im Alter von 13 Jahren eine geniale Patenterfindung, für die er von der (promovierten) Prüferin im Deutschen Patentamt (die nicht wusste, dass es sich bei dem betreffenden Erfinder um einen Dreizehnjährigen handelte) sogar ein großes Kompliment erhielt. Viele weitere Erfindungen sollten noch folgen. Während so manche seiner Klassenkameraden zur Taschengeldaufbesserung im Kramerladen um die Ecke Regale einräumten, stand er bereits bei einem Hamburger Werbemittelhersteller unter Vertrag und erhielt von dort für jede angekaufte Gadget-Idee, die er jeweils binnen weniger Minuten kreierte, mehrere tausend DM.

 

Wir beide haben dann auch den Kontakt nie abreissen lassen, so dass ich zumindest per flickr-Fotostream und E-Mail immer teilhaben durfte an seinem Leben, das ihn beruflich durch die halbe Welt geführt hat und das interessanter und abenteuerlicher kaum verlaufen hätte können, ...z.B.: "Ich muss in China zu viel husten. Deshalb hau ich wieder ab von hier und geh zurück nach Engand".

 

Dass so ein zerstreuter Tagträumer und kreativer Überflieger, der sich bereits in der Grundschule mit Problemen beschäftigte, wie man z.B. den Mars begrünen könnte, und der seine Schulhefte ständig mit neuen Ideen vollkritzelte, mit unserem auf Reproduktion, Leistungsdruck und Selektion ausgerichteten Bildungssystem so seine Probleme hatte, dürfte eigentlich nicht überraschen.

 

Wie sagte doch gleich Galileo Galilei: "Man kann einen Menschen nichts lehren. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken".

 

Hier erzählt unser Ebbi einiges von sich, seinen Problemen mit unserem Bildungssystem, seinem Lebensweg und seinen Erkenntnissen bzgl. des Phänomens "Kreativität".

 

Ich habe dann zusätzlich noch aus unserem Pressearchiv einige Ausschnitte von Berichten über ihn (Lesbarkeit wird verbessert, wenn man die einzelnen Artikel anklickt) sowie Links zu youtube-Videos mit 20 seiner besten Vorlesungen dazugefügt.

 

 

Chronic Innovation Disorder

 

Es fing damit an, dass meine autofahrenden Krokodile den Weihnachtssternen nicht das Wasser reichen konnten.

 

Ich war fünf Jahre alt und verbrachte meine Tage im Kindergarten damit, freudvoll Tag für Tag stapelweise Zeichnungen anzufertigen, die Krokodile beim Autofahren darstellten. Krokodile waren für mich die schönsten Tiere der Welt. Ich konnte mich völlig dem Genuss hingeben, ihre schöne Körperform zu betrachten und ich träumte davon, Krokodile in meinem Freundeskreis zu haben. Stundenlang begab ich mich oft auf intensivste Tagtraumreisen in Welten, in denen Krokodile sprechen konnten und mit mir zivilisiert auf der elterlichen Couchgruppe saßen und plauderten, wenn wir nicht gerade irgendwo hinfuhren (die Krokodile fuhren meistens; Krokodile sind hervorragende Autofahrer).

 

Meine Kindergärtnerin wies dies jedoch weit von sich und bestand darauf, dass ich anfing, Weihnachtssterne zu basteln, da das nun anstand.

 

Unter Tränen tat ich dann mein Bestes, den strengen Produktionsvorgaben gerecht zu werden, aber was ich auch tat, die Sterne sahen zuguterletzt eher aus wie Krokodile, oder Autos, die in einen interdimensionalen Vortex geraten waren.

 

Nach dramatischen Szenen und vergeblichen, langen Versuchen, mich zu reformieren, gab man auf und ließ mich zu meinen Zeichnungen und Tagträumen zurückkehren. Ich war sehr erleichtert, meine eigentliche Aufgabe im Leben wieder aufnehmen zu dürfen und entwickelte mit der Zeit ein reges Interesse für andere Reptilien und für Raumfahrt.

Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass Krokodile eigentlich nur die überlebenden Verwandten viel größerer und vielfältigerer Riesenechsen waren, die Dinosaurier hießen und tolle, ellenlange, lateinische und griechische Namen hatten, die einem von geduldigen Großvätern zu Hause gerne vorgelesen und erklärt wurden.

 

"Triceratops" bedeutete demnach "Dreihorngesicht" und "Pterodactylus" bedeutete "Flügelfinger". Und natürlich war das völlig logisch, wenn man sie sich so anschaute, auch, wenn es erstmal holprig klang. So drückten sich die alten Griechen und Römer wohl einfach mal aus, da konnte man nichts machen. Und da ihre Sprachen die ältesten waren, die wir kannten, erschien es mir auch logisch, dass man sie für die ältesten Tiere, die wir kannten, verwendete. Mein Großvater versicherte mir, eines Tages würde ich Latein schon besser verstehen.

 

Ich entwickelte auf diese Weise sehr früh eine gewisse Akzeptanz dafür, dass manche Dinge einfach kompliziert sind und nicht immer gleich zur Gänze verstanden werden können.

 

Dieses wohlmeinende Prinzip wandte ich dann auch konsequent in meiner Schullaufbahn an, wo mir neuer und unbegreiflicher Lehrstoff nie Unbehagen bereitete, da ich mir sicher war, mit der Zeit würde ich das alles schon besser verstehen.

 

Wie groß war dann aber meine Überraschung, als ich feststellen musste, dass meine Lehrer diese Philosophie nicht teilten und stattdessen in "Lernzielkontrollen" einforderten, mein Verständnis des neuen Materials zu beweisen. Meine Erklärungen, ich sei noch nicht so weit, da mir das alles noch nicht so rechten Sinn ergäbe, wenn ich das so in Einklang zu bringen versuchte mit allem, was ich über Dinosaurier wusste, stießen auf taube Ohren. Entweder ich konnte eine Kläranlage erklären, oder "sechs".

 

(Foto: Ebbert privat)

 

Ich fühle mich sehr an die Weihnachtssterne erinnert und war zudem erschüttert, dass sich niemand für Dinosaurier interessierte oder all die neuen Dinge, die ich über Raumfahrt wusste, seit mir mein Vater auf der Autofahrt davon erzählt hatte. Z.B. gab es bisher nur Raumschiffe, die relativ langsam waren, weil sie normalen Raketentreibstoff verwendeten, aber sobald man mal soweit sein würde, einen Protonenantrieb zu bauen, würde die Sache ganz anders aussehen und man würde dann viel interessantere Reisen unternehmen können.

 

Natürlich wusste ich nicht alles. Also ergriff ich die Gelegenheit, meine Lehrer zum roten Fleck des Jupiter zu befragen, oder woraus die Ringe des Saturn eigentlich bestanden. Das jedoch schien diese nur in Verlegenheit zu bringen und ich bemerkte auch, dass sie gar nicht wollten, dass ich ihnen was erklärte. Stattdessen wollten sie mir ständig Dinge erklären, die jedoch viel weniger interessant waren. Und sie wurden mitunter recht aufbrausend, wenn ich ihnen das auch so sagte. Besonders während des Rechnens oder beim Turnen.

 

Meine Mitschüler hatten mich unterdes aufgegeben. Ich war offensichtlich ein gefährlicher Fall, von dem man sich besser fernhielt. Wusste nie, wo wir gerade waren oder was die richtige Antwort war, faselte nur komisches Zeug und zeichnete ununterbrochen.

 

Da meine Mitschüler sich allerdings auch nur für lauter langweilige Dinge interessierten, wie Ballspiele und Rechnen, machte mir das nichts aus. Schon bald fand ich Möglichkeiten, mich in meine eigene Sphäre zurückzuziehen, wo ich dann ungestört von Dinosauriern, Raumschiffen und Marsstationen tagträumen konnte. Was mich umtrieb, war nicht, was 24 + 2 war, sondern wie man es wohl hinkriegen könnte, auf dem Mars, dessen Atmosphäre aus soviel Kohlendioxid bestand, dass man sich als Baum dort eigentlich wohlfühlen müsste, auch Bäume einzupflanzen und großzuziehen, so dass sie irgendwann mal richtig viel Sauerstoff produzieren würden und man auf dem Mars atmen könnte. Mein Vater hatte mir erklärt, dass wir Kohlendioxid ausatmeten und Sauerstoff einatmeten, und dass Bäume genau umgekehrt funktionierten. Das fand ich sehr praktisch, wenn es darum ging, den Mars zu verändern, und ich zeichnete diverse Plexiglaskuppeln, die man in der felsigen Marslandschaft aufstellen könnte, um darunter Bäume zu pflanzen. Leider nahm meine Sachkundelehrerin mir den Zettel weg und sah mich böse an, als ich auf die Frage, was eine Muränenlandschaft war, lediglich erwidern konnte, dass Murenen gaaanz gefährliche Höhlenfische seien, zumindest laut Hans Hass, dessen Bücher ich verschlang. Aber es war sowieso nur eine erste Ideenskizze gewesen. Sie schien nicht zu begreifen, was ich da entworfen hatte. Ich beschloss, ihr keinen Job in meinem Raumfahrtkonzern anzubieten, wenn ich den dann mal hochziehen würde, in Florida, wo man offensichtlich am besten Raumschiffe starten könnte, laut dem Vater meines besten Freundes Claus, der immer als einziger zu begreifen schien, worum es mir wirklich ging.

 

Bald merkte ich, dass es wichtig war, gute Zeichentechniken zu haben, um meine Ideen besser erklären zu können. Mein Großvater zeigte mir, wie man mit Filzstiften erstmal einen dicken Rand entlang von gezeichneten Linien machte, damit man dann beim Ausmalen der Flächen nicht über die Linien hinausgeriet.

 

Mein Vater erklärte mir, dass man, um eine gute Zeichnung zu machen, erstmal einen Bleistift verwenden sollte, weil man den wieder wegradieren könnte, und dass man üben sollte, eine ruhige Hand zu haben und seine Linien bestimmt und schön durchschwingend zu zeichnen. Er zeigte mir dann ein paar Bücher seiner eigenen Zeichnungen, die mir sehr imponierten.

 

Und im Fernsehen sah ich, wie man ganz einfach durch gekonntes Schraffieren den Eindruck erwecken könnte, ein Objekt sei ein Zylinder.

 

Mit diesen drei einfachen Kniffen stieg ich augenblicklich zum offiziellen Zeichengenie in meiner Schule auf und eine ganz neue Perspektive ergab sich: Offenbar war ich doch für etwas nützlich, gemessen an den wenigen Punkten, an denen meine Interessen sich mit den Erfordernissen des Schullebens überschnitten. Zwar war es nur im völlig nebensächlichen Fach Zeichnen, dem niemand irgendeine Bedeutung beimaß, aber immerhin war nun endlich klar, dass ich kein endgültiger Störfall war.

 

Diese Entdeckung versöhnte mich ein wenig mit dem ansonsten schrecklich langweiligen Schulalltag, in dem rein gar nichts mein Interesse wecken konnte. Vor meinem inneren Auge verschmelzen all die Jahre, die ich in der Schule verbrachte, zu einem grünlich neonbeleuchteten Bild, in dessen Mitte ein adretter Studienrat vor einer dunkelgrünen Tafel auf und ab hopst, bezuglose Konzepte durchexerziert und inkantiert: "... und jetzt mache ich dies! Und jetzt mache ich das!" Und ich nickte stets höflich, aber verinnerlichte nichts und konnte es auch beim besten Willen nicht in Bezug setzen zu etwas, das mich interessierte. Irgendwo zwischen den Hellenen und den Differentialgleichungen versackte meine Aufnahmefähigkeit in einem traurigen und hoffnunglosen Zustand der totalen Desorientierung.

 

 

Wären da nicht die Stapel meiner Zeichnungen, die ich vor lauter Langeweile anfertigte, ich wüsste nicht, was ich in dieser Zeit eigentlich getan hätte. Und meine Zeugnisse zeichneten Jahr für Jahr ein deutlicheres Bild: Sprachen und Zeichnen sensationell, alles andere katastrophal, und zum Betragen hieß es jahrein, jahraus: "Der sehr höfliche Schüler wirkt immer ein wenig abwesend."

 

Heute kenne ich den ganz einfachen Grund für diese spezielle Sachlage: Ich brillierte in Fächern, die mir Auslegungsspielraum gaben, und versagte in Fächern, die erforderten, vorgefertigte Prozesse und Regeln einzuhalten.

 

Der Tag, an dem mir das klar wurde und auch, wie ich derlei Dilemmas in Zukunft vermeiden könnte, war der Tag, an dem mein Mathematik-Nachhilfelehrer wenige Wochen vor meinem Abitur die Frage stellte, die meine mathematischen Fähigkeiten zündeten - leider mit 12 Jahren Verspätung. Aber ich schrieb danach tatsächlich mein Abitur in Mathematik mit einer Drei, was eigentlich eine Unmöglichkeit hätte sein müssen, wenn man bedenkt, dass ich mich in diesem Fach all die Jahre zuvor durch erbärmliches Versagen in den untersten Etagen des Notenschlüssels hervorgetan hatte. Und die Frage lautete: "Wie würden Sie dieses mathematische Problem denn lösen?" Und mein Nachhilfelehrer, ein weiser, alter Mathematiker im Ruhestand, ging weg, um Kaffee zu machen und sagte: "Probieren Sie mal; ich komme bald wieder."

Und ich fand Möglichkeiten, und er wollte dann von mir wissen, wie ich zu ihnen gekommen war - also begann ich, es ihm zu erklären. Und er hörte mir zu, und ich wurde meiner Sache immer sicherer. Und da gingen mir dann alle weiteren Knöpfe auf. Plötzlich hatte ich den Zugang zur Mathematik für mich gefunden, und vermutlich zu allem anderen, das mir jahrelang so schwergefallen war: Wenn man mich bat, ein Problem auf meine Weise anzugehen und dann zu erklären, was mich bewegte, konnte ich plötzlich so gut wie alles.

 

Und so einfach hätte es also sein können, all die Jahre. Der Unterschied war lediglich, dass ich in dieser neuen Situation ermuntert wurde, mich einzubringen, anstatt nachzuahmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"bella" vom 08.1986

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Auto-Bild" 25.04.1988

 

Ich bin ein kreativer und pragmatischer Mensch, der das Leben angeht mit der Frage "Wie erschaffen wir mit dem, was zur Verfügung steht, oder dabei ist, verfügbar zu werden, ab sofort und greifbar ein besseres Leben?" Und ich gehe davon aus, dass die Realität lediglich ein Ansatzpunkt zur Weltverbesserung sein kann. Deshalb interessieren mich auch keine Regeln, da ich sie als schnöde Gebrauchsanweisung für Unvollkommenes empfinde, und stets bereits gedanklich in einer besseren Zukunft lebe.

 

Ich beschreibe das heute meinen Studenten und Kollegen gegenüber als "Chronic Innovation Disorder," was erstmal durchaus zum Lachen reizt, die Sache aber doch auch mit einem bitteren Beigeschmack illustriert. Man ist offenbar in unserer Gesellschaft als zutiefst innovativer Mensch nicht wirklich zu Hause. Das mag auch von Kultur zu Kultur variieren. Schon als kleinem Jungen fiel mir im Fernsehen auf, welch aufregenden Dinge man in Amerika sagte und tat. Amerika wurde deshalb mein gelobtes Land, in dem ich meinte, besser verstanden zu werden, und ich verließ Europa, sobald ich konnte, in der Hoffnung, in ein Umfeld zu gelangen, in dem "Chronic Innovation Disorder" als Tugend gelten würde. Mit jahrzehntelangen Umwegen durch USA, Kanada, Japan, China, Indien, Neuseeland und Frankreich gelangte ich letzten Endes dorthin, wo Innovation meines Erachtens wirklich vollkommen zuhause ist: Schweden, ein Land, das mir mehr wie ein Forschungsprojekt zur Weltverbesserung vorkommt als ein Land.

 

Heute weiß man, dass "in der Zukunft leben" eine Grundhaltung der Philosophie des Design Thinking ist, einem Zweig der Kreativitätsforschung, der darauf beruht, zielführend zu erschaffen, statt abstrahierend zu analysieren.

 

In der Welt der Innovation und des kreativen Gestaltens fand ich dann auch tatsächlich mein geistiges Zuhause. Allerdings war es alles andere als einfach oder harmonisch, da selbst diese Welt in ihrem Ausbildungswesen mit der allgemeinen Neigung behaftet ist, Konventionen zu etablieren, Schubladen zu beladen, zu abstrahieren und zur Nachahmung zu animieren, anstatt der individuellen Originalität freien Lauf zu lassen.

 

Möglicherweise haben wir keine andere Wahl in unserer Gesellschaft, da wir uns der Einhaltung von Zeitvorgaben verschrieben haben und somit alles handlich verpacken müssen, da wir`s ja so eilig haben. "Werden Sie Designer, entwickeln Sie Ihr kreatives Potential! Aber dalli!"

 

Das kann aber so nicht gutgehen. Kreativität ist Wachstum und ich möchte mal den Baum sehen, der Wachstumszielvorgaben einhält. Ich glaube, wir müssen einen Sonderraum einräumen fürs Kreative im Leben, und das darf weder von Chronemik beeinflusst werden, noch darf es durch ein Stakkato von externen Inhalten torpetiert werden.

Das Schulwesen meint, zu inspirieren, indem es eine lange Speisekarte kurz angegarter Häppchen teilbeleuchteter Dinge anbietet, und für diejenigen unter uns, die keinen inneren Film laufen haben, dürfte das auch bestens funktionieren; aber für Kreative repräsentiert diese Orchestrationsweise lediglich eine verstörende und entwicklungshemmende Kakophonie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"BUNTE" 27.09.1986

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Das Neue Ullstein Buch der Erfindungen" 1988

 

Ich kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass ich heute trotz meiner Bildung ein erfolgreicher Kreativer bin. Das sollte vielleicht Anlass geben, pädagogische Arrangements zu überprüfen. Natürlich sind mittlerweile 30 Jahre vergangen und die Dinge, die ich auf harte Weise erfahren musste, sind allgemein bekannt und finden auch ihren Weg in die Lehrbücher. Aber dennoch wird man auch heute mit der Erwartung durch die Bildungsmühle gedreht, "one size fits all" muss passen, und das Enddatum ist bekannt.

 

Im mittelalterlichen Italien wäre ich vielleicht stattdessen bei einem Maestro in die Lehre gegangen und hätte erstmal ein paar Jahre mit Farben rumgesaut, Tee gekocht, Wein eingeschenkt und den Maestro beim Pinseln beobachtet. Und irgendwann wäre auch ich dann soweit gewesen, die Techniken zu beherrschen und Wert zu schaffen.

 

Eine naive Vision? Leonardo da Vinci und Michelangelo haben so angefangen. Was hatten die wohl für Noten in Heimat- und Sachkunde? Schafften sie den Numerus Clausus nach ihrem Abitur?

 

Und übrigens, wieso gibt es keinen neuen Michelangelo und keinen neuen Leonardo da Vinci?

 

"NEUE REVUE" 12.05.1989

 

 

Gesichter und Sinn der Kreativität

 

"Ein kreativer Mensch" ist das zentrale Merkmal, mit dem mich so gut wie alle beschreiben, die mir mal begegnet sind. Nach mittlerweile 45 Jahren unter dieser Flagge glaube ich, erzählen zu können, welche Formen Kreativität annehmen kann, wie sie wahrgenommen wird und was ihr Urzweck vermutlich ist.

Und ich bin der Auffassung, dass diese Eigenschaft erheblich besser verstanden werden sollte und könnte.

 

Unter dem Regenschirm der Kreativität finden sich meiner Beobachtung nach so gut wie alle, die sich gestalterisch betätigen, sei es nun frei oder strategisch. Sobald jemand etwas produziert, ob mit oder ohne Vorlage, ertönt der Tenor "ein Kreativer!"

"Mit Vorlage auch?", höre ich Sie fragen... Durchaus. Etwas abzumalen zählt bereits als kreative Tätigkeit - wenn man den Ausrufen Glauben schenkt, die man als Dreijähriger zu hören bekommt.

 

Das Spektrum beginnt also bereits hier und ich bin der Meinung, dass dies vermutlich der wichtigste Punkt meines gesamten Essays hier ist, wie Sie sehen werden. Um es vorwegzunehmen: Ich bin der Meinung, Kreativität ist nicht die Fähigkeit, aus einem Vakuum heraus durch schieren, übermenschlichen Genius etwas zu erschaffen, als wäre man ein Ausnahmefall der Biologie, sondern Kreativität ist die Fähigkeit, durch Reflexion und Spiel mit dem Bekannten etwas Neues zu erschaffen.

 

Ich finde das erwähnenswert, da die großen Kreativen der Geschichte in unserer Gesellschaft gerne so dargestellt werden, als wären sie aus komplett anderem Holz geschnitzt gewesen als normale Menschen und dass man sich deshalb abschminken könne, ihnen auch nur je das Wasser reichen zu können.

 

Völliger Quatsch, wenn Sie mich fragen. Das waren eben Freaks, deren Umstände es ihnen erlaubten, sich so konzentriert ihren Interessen hinzugeben, dass sie Erstaunliches produzierten. Und diese Anlage tragen wir alle in uns. Sonst könnten wir ja nicht mal einen Türgriff bedienen, wenn der anders aussieht als der erste Türgriff, den wir mal gesehen haben.

 

Kreativ zu sein ist also etwas sehr viel Erreichbareres als viele vermutlich annehmen. Es ist nicht ein seltenes Talent, das einem in die Wiege gelegt sein muss, sondern eine Technik - ein Angriffswinkel, ein Kniff, eine Vorgehensweise. Und sie ist erlernbar, und zwar schon sehr früh im Leben. Und unsere eigene Konvention bestätigt das bereits, wie man an der Freude der Großeltern über abgemalte Schweinchen bei Dreijährigen schliessen kann.

 

Da alle guten wissenschaftlichen Abhandlungen (und gut aussehende pseudowissenschaftliche) auch den Hintergrund beleuchten, auf dem ihre Erkenntnisse zustande kamen, werde ich nun den Rest des Formats verwenden, um die kreativen Schlüsselerlebnisse meines Lebens zu revitisieren und zu guter Letzt versuchen, einen Schluss aus ihnen zu ziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"weltbild" 07.04.1989

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Begleitheft zum Malwettbewerb "Kreativität ist..." des Genossenschaftsverbandes Bayern 1990

 

Bevor Sie sich Sorgen machen: Keine Angst, ich bin nicht fertig mit meiner Kreativität und werde damit auch weitermachen. Man kann ja auch gar nicht anders.

Aber sehen Sie selbst:

 

Bayern 1975

 

Gestalterische Kreativität war die erste Form von Kreativität, mit der ich mich als Kind konfrontiert sah, als ich als Dreijähriger zum Entzücken meiner Mutter ein bestens erkennbares Cabriolet aus den 30er Jahren zeichnete. Ich hatte freilich einige dieser Fahrzeuge gesehen, da sie mich in Form von Spielzeugautos umgaben. Aber es war mir selbst in diesem Alter klar, dass man Menschen Freude bereiten kann, wenn man etwas bildlich darstellt, das sie wiedererkennen. Weshalb dem so ist, verstand ich lange nicht. Heute jedoch würde ich sagen, die Freude daran, die visuelle Interpretation eines Themas durch jemanden zu sehen, verschafft uns eine Art voyeuristischen Einblick in die Natur dieses Menschen und es ist womöglich genau dieses Lesen eines Individuums, das uns die Freude an dieser Darstellung bereitet. Man erhält durch das Wie der Darstellung Zugang zum Inneren eines anderen Menschen. "So sieht der das also...", denken wir uns.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"OFF ROAD" 11/88

"boote" 9.88

 

Diese Art der Kreativität war lange die einzige, die man zu sehen bekam, wenn man sich die Geschichte der Kunst so ansieht. Die Kunst der Höhlenmenschen und der Antike beruhte auf der bildlichen Darstellung des Alltäglichen. Das einzige, was ihnen Charakter verschaffte, waren die individuell spezifischen Mittel, die der Erschaffende anwandte.

 

Alleine die Fähigkeit, in Bildform die Realität zu reflektieren, genügte offenbar diesen Kulturen, Individuen in den Künstlerstand zu erheben. Wer die Realität bildlich manifestieren konnte, war somit kreativ. Noch als Fünfzehnjähriger wurde ich von Mitschülern gebeten, "zeichne mir doch mal mein Moped." Das war genau dieser Spirit.

 

Innerhalb meiner eigenen Lebensspanne konnte ich beobachten, dass die Faszination mit dieser Art von Kreativität spätestens für ein Publikum im Teenageralter vorbei ist - mit ein paar unrühmlichen Ausnahmen vermutlich. Das wirft für mich gewisse Zweifel auf, wie weit entwickelt diese rein darstellenden Kulturen intellektuell gesehen wohl waren. Egal, ob aus ihnen auch Cicero und Plato hervorgingen, die breite Masse war offenbar zufrieden mit Bildern von Kühen und Gelagen.

 

"Freizeit-Revue" 30.03.1989

 

 

Bayern 1984 - Kreativität und Schule

 

Dem Kunstlehrer Hubert Fenzl zu begegnen, der meine kreative Haltung erkannte und in Erfinderwettbewerben und Projekten geradewegs zum Einsatz bringen konnte, war ein Glücksfall, der mich davor bewahrte, durch das Raster des Schulsystems zu fallen, denn er wurde zu meinem Fürsprecher vor dem Lehrerkollegium. Wäre er nicht gewesen, ich wäre wohl einfach vom Schulsystem abgeschrieben worden, da es einfach nichts wert war, lediglich gut zu zeichnen; und für angewandte Innovation gab es ja nicht mal eine Bewertungsgrundlage. Für derlei einseitige Begabungen war kein Platz vorgesehen und es schien auch keinerlei sinnvolle Wegweiser von dortaus für mich zu geben. Mein Lebensversagen schien also bereits mit 12 Jahren vorprogrammiert. Eine erdrückende Perspektive, die mir von allen Seiten stets eingehämmert wurde, ohne dass ich darauf eine Antwort hatte. "Werde besser in Mathematik, sonst wird das alles nichts!" war der Refrain. Heute weiß man, dass "upping the stakes" Erfolgschancen verringern kann. Bedauerlicherweise wusste man es damals nicht und der Druck, meine naturwissenschaftlichen Noten zu verbessern, legte letzten Endes diesen Teil meiner selbst lahm. Es war vermutlich einfach eine Art von Burnout, und ich blieb naturwissenschaftlicher Totalversager. Was es jedoch aus mir machte, war ein sehr viel zäherer und geduldiger Mensch, der sich mit Engelsgeduld tagelang Dinge anhören kann, die er nicht begreift.

 

"Quick" 22.02.1989

 

Wie dem auch sei, wer nicht in den Hauptfächern spurte, für den gab es also auch in der Gesellschaft keinen Platz - dachte man. Da half auch mein Patent nichts, das ich mit 13 bekam.

Gott sei Dank stellte sich das als Fehleinschätzung heraus und mit der Entdeckung des Berufsbildes des Industriedesigners hatte ich als Teenager noch gerade rechtzeitig eine passende Zukunftsperspektive entdeckt. Industriedesigner waren das, was ich bereits als Siebenjähriger gewesen war: Vorausdenker, die die Produkte der Zukunft entwickelten. Und sie brauchten keine Mathematik, keine Physik und keine Chemie. Für sie zählte die Fähigkeit, sich zäh und ernsthaft hinter die Lösung produktspezifischer Fragestellungen zu klemmen, indem sie so quer wie möglich dachten und ihre Lösungsvorschläge mit Hilfe gestalterischen Talents und antrainierten Darstellungstechniken sichtbar machten, Prototypen bauten und am Entwicklungsprozess bis zur Serienreife teilnahmen.

In dieser Phase lernte ich, meine Kreativität strategisch einzusetzen, indem ich Projekte für einen Werbemittelhersteller machte. Es war eine neue Erfahrung für mich, nicht mehr lediglich frei drauflos zu kreieren - irgendein Auto, für irgendwann in der Zukunft..., sondern einen Auftraggeber mit bestimmten Bedürfnissen zu haben. Diese Rahmenbedingungen erforderten eine andere Herangehensweise, die jedoch den Vorteil brachte, nun einen Diskussionspartner zu haben. Ab jetzt war ich nicht mehr alleine in meiner Kreativität, sondern hatte Partner mit einem aktiven Interesse an meinen Lösungen für ihre Probleme. Die Freuden des Co-Kreierens taten sich mir so also auf und ich wurde zunehmend zum Team-Menschen.

"Hobby" 1/89

 

Ich begann, auf diesen Horizont zuzusteuern und es kehrte eine gewisse Ordnung in meiner Beziehung zum Schulwesen ein. Es war allen klar, wo ich hin wollte und man kam mir in der Schule auch so weit wie möglich entgegen, wofür ich auch heute noch sehr dankbar bin. Ich brauchte die Hochschulreife, um Zugang zu diesem Studium zu erhalten, konnte aber mit dem Lehrinhalt der Schulbildung keine Verbindung dazu herstellen, was das Erreichen dieser Hochschulreife gefährdete. Es war, als würde ich ein brennendes Schiff durch ein Archipel voller Sandbänke steuern.

 

Leider gab es auch hierfür im Schulwesen keine Verwendung. Jeder war auf sich selbst gestellt, da es darum ging, individuelle Leistungen zu bewerten. Das Schulwesen beruhte großteils auf dem assoziativen Lernmodell, in dem Absorption von Wissen gefragt war und Leistung bedeutete, die gelungene Absorption unter Beweis zu stellen. Noch heute basieren die Schulmodelle Indiens und Chinas auf diesem Modell, das im Wesentlichen den Lehrer als Vortragenden sieht und die Schüler in einer passiv absorbierenden Haltung. Kreativität ist in so einem System weder vermittelbar, noch könnte man sie wirklich bemessen. Aber da aus damaliger schulischer Sicht Kreativität fürs Weiterkommen im Leben keine wichtige Eigenschaft war, störte das außer uns Kreativen wohl auch niemanden.

Ich frage mich heute, wie viele tausende von begabten Menschen durch dieses System zu Versagern degradiert wurden.

 

"PaWo" 19.05.1988

 

 

Kanada und USA, 1992 - 1998; Kreativität und Studium

 

Von meinem Industriedesignstudium erwartete ich viel - und zwar zu viel, wie sich herausstellen sollte. Ich ging zu Studienbeginn davon aus, nun endlich in einem Umfeld zu sein, wo ich mit Gleichgesinnten diskutieren und mich auf meine Professionalisierung konzentrieren können würde. Ich erwartete hauptsächlich Werkzeuge - mentale, menschliche und mechanische. Kurz, eine Politur in elitärem Kreis, mit dem Ziel, als knallharter Professioneller ins Arbeitsleben eintauchen zu können.

 

Stattdessen erwartete mich eine Organisation, die logischerweise darauf getrimmt war, den Output des oben beschriebenen Schulsystems in Empfang zu nehmen.

"Jetzt tasten wir uns mal ganz langsam und vorsichtig daran heran, was es bedeutet, kreativ zu denken," lautete dann auch jahrelang das Motto. Ich war vom Regen in die Traufe geraten und verbrachte die kommenden Jahre in abgrundtiefer Langeweile mit Gedanken und Herausforderungen, die ich mir selbst als Zehnjähriger bereits gestellt hatte, wenn ich nicht dabei war, mich mit meinen Professoren darüber zu streiten, welche aufregenden Dinge wir stattdessen ansehen und ausprobieren sollten.

 

Bachelor in Design. University of Alberta, Canada

Bachelor Studies in Architecture. Arizona State University, USA

 

Die versprochene Exploration der Kreativität gestaltete sich schleppend und unstrukturiert und ich wechselte zwischen mehreren Hochschulen hin und her in dem Irrglauben, es habe mit meiner Wahl der Hochschule zu tun; bis ich einsehen musste, dass die Ausbildung zum Kreativen in einer Gesellschaft, in der Kreativität unterbewertet ist, zwangsläufig langsam, mühsam und nur wenig motiviert sein kann. Es gab einfach keine wirkliche Resonanz mit der Gesellschaft und ich begriff zunehmend, dass niemand wusste, was ein Industriedesigner ist und wofür man ihn braucht. In mir wuchs große Verzweiflung und die Angst, mein Leben zu verschwenden an ein Fachgebiet, das gesellschaftlich offenbar sehr wenig Traktion bot.

Zumindest für eines war diese Erfahrung gut: Ich beschloss, selbst Designdozent zu werden, da ich der Meinung war, dafür besser geeignet zu sein als meine Professoren. Ein größenwahnsinniges Ansinnen? Nö. Hat schließlich geklappt.

 

Additional Studies in Transportation Design. Art Center College Pasadena, USA

Master in Transportation Design. University of Applied Sciences Pforzheim, Germany

 

 

 

USA, Frankreich, Indien und Deutschland, 1998 - 2003; kreatives Berufsleben

 

Mein erster Tagesordnungspunkt nach meinem abgeschlossenen Studium auf dem Weg zum Designdozenten war es, erstmal selbst ein paar Jahre in die Industrie zu gehen, da ich der Meinung war, auf andere Weise könne man als Designdozent keine Glaubwürdigkeit besitzen. Und so schlug ich mir schreckliche Jobs an schrecklichen Orten um die Ohren, umgeben von schrecklichen Leuten, und fand diese Realität der kreativen Kommerzialität nach wenigen Jahren folglich so schrecklich, dass ich mit 30 Jahren in die Sinnkrise fiel und eine Ausbildung zum Heilpraktiker begann (und auch vollendete). Pikanterweise jedoch kamen mir mit zunehmender Vollendung dieser Ausbildung so erhebliche Zweifel an heilpraktischen Methoden, dass ich dieses Kapitel danach abhakte und mich heute von jeglicher Esoterik als geheilt betrachte. Dann kehrte ich zum Design zurück.

 

Glücklicherweise hatte ich zur Finanzierung dieser Ausbildungszeit eine eigene Designfirma betrieben, die mir nun als Sprungbrett zur Bewerbung um eine Designdozentenstelle dienen konnte.

Mein Plan war, eine geeignete Stelle anzunehmen und das System dann von innen heraus zu reformieren.

Ein völlig naives Unterfangen, wie sich herausstellen sollte.

 

Industry. Design Staff. V-Formation, Inc. New Jersey, USA

Industry. Design Staff. Hymer idc. Pforzheim, Germany

Industry. Design Consultant. iDGestaltung. Heidelberg, Germany

Industry. Design Consultant. ReMiCom. Beijing, China

 

 

Dozent in England, Neuseeland, Frankreich, China, Indien und wieder England,         2003 - 2017

 

Da ich das Hochschulsystem bereits mit einer gehörigen Dosis Zynik betrat, blieben mir die Enttäuschungen erspart, die man als rosa bebrillter Anfänger üblicherweise so mitmacht. Ach was, Zynik! Ich ging geradezu mit umstürzlerischer Absicht an die Sache heran. Ich wollte endlich der Welt zugute kommen lassen, was mir selbst in meiner Entwicklung am meisten geholfen hatte und stürzte mich voller Eifer in die neue Aufgabe.

 

Zu meiner bitteren Enttäuschung jedoch stellte sich über die Jahre heraus, dass die Befugnisse von lehrendem Hochschulpersonal bezüglich Kursgestaltung mittlerweile erheblich weniger liberal waren, als noch in meinen eigenen Studienjahren, und ich sah mich gezwungen, Lehrinhalte nach Vorgaben vorzubereiten, die ich mehr als nur manchmal leidenschaftlich anzweifelte.

 

Lecturer in CAD and Print. Karlsruhe University of Applied Sciences, Germany

Research. Product Development Logistics. FH Karlsruhe, Germany

Lecturer in ICT and CAD. University of Manchester, GB

Research. Embedded LED Luminescent Fabrics. University of Manchester, GB

Lecturer in Product Design. University of Salford, GB

Research. Integrated fibreglass front. University of Salford, GB

Senior Lecturer in Product Design / Academic Leader. Otago Polytechnic, New Zealand

Research. Electric variable track vehicle. Otago Polytechnic, New Zealand

Dean. Ecole de design Nantes / Shanghai, China

 

Research. Education collaboration models. Ecole de design Nantes, France

 

Dean. Ecole de design Nantes / Bangalore, India

Senior Lecturer in Product Design. Nottingham Trent University, GB

Research. Embedded LED Luminescent Fabrics. Nottingham Trent University, GB

 

Nach den ersten zehn Jahren hatte ich mich dann so gut wie aufgerieben bei dem Versuch, ein Umfeld zu erschaffen, in dem Kreativität wirklich erfahren werden konnte, als Dozent an Hochschulen in England, Neuseeland, China und Indien. Ich sah ein, dass man sich gegen diese Flut aus Konvention einfach nicht stemmen konnte und beschloss, mich innerhalb des Systems zurechtzusetzen. Aus Nostalgie suchte ich mir eine gemütliche Stelle in England, wo es mir schon immer gut gefallen hatte und nach dem ich von meinem Posten in Shanghai aus großes Heimweh empfand, und trat eine Dozentenstelle in Nottingham an, mit der Absicht, den Kampf aufzugeben.

 

 

Und noch während meiner ersten Monate in Nottingham wurde mir dann klar, dass ich all die Jahre völlig zu Unrecht versucht hatte, das Studium kreativer Fächer für Kreative besser zu gestalten - denn die brauchen das gar nicht. Das ist ja gerade das, was Kreative ausmacht! Kreative sind diejenigen, die der Konvention zum Trotz weiterkommen. Und die würden eine Anleitung, so es sie denn gäbe, ja nicht mal gebrauchen können; genau so, wie ich selbst das ja auch nicht konnte. Sage mir, wie etwas zu machen ist, und ich finde eine andere Möglichkeit, ist die Devise der wahrhaft Kreativen.

 

Kreative brauchen wohl die Konvention, um sich selbst als Gegenpol definieren zu können. Wir sind Antagonisten, und eine Ausbildung dazu würde uns den Wind aus den Segeln nehmen. Es kann genau so wenig eine Ausbildung zum Kreativen geben wie es eine Individualistenuniform geben kann, da jede Form der Ausbildung ja ein definiertes Universum voraussetzt. Das jedoch zu verlassen, ist Lebenszweck des wirklich Kreativen. Deshalb: Konvention, bleib schafsbrav! Wir brauchen dich so.

 

Kurz gesagt: Man kann keine Kreativen machen. Man kann sie nur unterstützen, wenn man sie erkennt.

 

Und wozu sollte man das? Wozu dienen uns diese Sonderlinge, die das Alltägliche infrage stellen? Und deren Beiträge sich ja nicht mal in der Konvention einsortieren lassen?

Weil sie vor dem Unbekannten keine Angst haben. Und die Situation könnte sich ergeben, wo das mehr wert ist, als sich mit dem Wohlbekannten gut auszukennen. Oder welcher Steinzeitjäger war es wohl auf dem großen Treck nach Süden nach der Eiszeit, der beim ersten Zusammentreffen mit einem Säbelzahntiger darauf kam, wie so einem Vieh beizukommen ist?

Der Fischer? Bestimmt nicht. Sondern das war bestimmt der Kauz, der all die Jahre im Packeis die Eisbären zum Spaß ärgerte und von dem alle dachten, der sponn.

Ich hoffe, dass dem auf lange Sicht der Platz eingeräumt wird, den es verdient.

 

Bis dahin verbleibe ich als staatlicher Innovationsberater der schwedischen Regierung, mit der offiziellen Aufgabe, Kreative zu unterstützen.

Ich würde ja als Schlusswort schreiben, "Kreative, lasst Euch nicht unterkriegen!" - aber das ist völlig unnötig. Denn wir sind vom Schwimmen gegen den Strom derart gestählt, dass uns als Allerletztes die Puste ausgehen wird.

 

Chris Ebbert

Schweden 2017

 

Links zu youtube-Filmen mit 20 seiner besten Vorlesungen:

 
How to Make a Design Portfolio (42 minutes) https://www.youtube.com/watch?v=zq2W-YJruds
Innovation (59 minutes)       https://www.youtube.com/watch?v=BVXXXh7Qus4&t=3063s
Instant Alphabetic Project Generator (4 minutes) https://www.youtube.com/watch?v=BcbkAEp-xiw
Instant Project Generator (2 minutes) https://www.youtube.com/watch?v=Gu62PuGCP5w
Product Design Skills (32 minutes)                             https://www.youtube.com/watch?v=Tl-7Debk3vc
Sustainability in different cultures (55 minutes) https://www.youtube.com/watch?v=NTnjcqKzNo4&feature=youtu.be
Utopia (44 minutes)                                  https://www.youtube.com/watch?v=YNx9QagVTjY

 

Christoph hat rund 76.000 Fotos aus seinem bisherigen beruflichen Leben, das ihn rund um den Globus geführt hat, ins Netz gestellt:

 

http://www.flickr.com/photos/tahini/

 

Nachfolgend einige Fotos aus seinem Album mit kurzen Erläuterungen von ihm:

 

 

Das Bild von Sylvie und mir in Shanghai mit den Regenschirmen ist von unserem Urlaub dort; bei allem Arbeitsstress, den ich dort hatte, habe ich mich dann doch in die Stadt verliebt und reise da auch heute noch gerne hin.

 

Der Hund auf dem Kayak gehörte meinen Nachbarn in Neuseeland, der kam immer gerne mit zum Paddeln in der Bucht.

 

Die zwei Bilder mit dem Wuschelviech sind gleichfalls aus Neuseeland; das bin ich mit einem Baby-Wallaby in einem Streichelzoo; die besuchte ich immer gern, denn die sind so schnuklig.

 

Das Bild im Auto ist in meinem alten Pontiac - man kann ja mit Fug und Recht sagen, ich liebe alte amerikanische Autos, und hatte bereits 32 Stück (momentan nur zwei, einen Pontiac und einen Lincoln, aber das wird noch).

 

Das Bild im rosaroten Overall ist von der Rennstrecke in Nottingham, wo ich mit meinen englischen Kollegen gerne Rennen fuhr.

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© Hubert Fenzl